
Qualifikation oder Kompetenz – Warum das „Lehren“ oftmals das „Lernen“ behindert!
Um das Thema „Lernen“ und „Qualifizierte Mitarbeiter“ ist es
in vielen Firmen schlecht bestellt und davon ist nicht nur der Bereich der Fort-
und Weiterbildung betroffen. Ausbildung kostet Geld, das ist nicht neu und
deshalb muss diese so kurz und effizient wie möglich sein – das denkt man. Insbesondere
bei Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen kommt häufig nur ein Bruchteil
des Lerninhaltes, dauerhaft und die Performance steigernd, im Unternehmen an. Das
Unternehmen mit weniger „ausbilden“ mehr erreichen könnten, darum geht es in
diesem Thema. Das Motto: Etwas weniger „Teambuilding“ dafür mehr „buildbyteam“.
Teil 1: Wie viel „Lernkompetenz“ hat die Natur dem Menschen gegeben – Unterschiede zwischen einem Baby und einem Erwachsenen
Das Lernen begleitet uns von der ersten Minute unseres Lebens
bis zu unserem Tod. Manchmal passiert es einfach so, ohne dass wir etwas dafür
tun müssen und manchmal bestimmt es unser Leben – fremdbestimmt wohlgemerkt. In
der Schule und in der beruflichen Ausbildung werden wir für den Erfolg unserer
Bemühungen bestraft oder belohnt. In den ersten Jahren unseres Lebens jedoch,
lernen wir scheinbar ohne Lehrer. Wir lernen ohne Noten, ohne Nachsitzen ohne
Stundenplan – einfach so? Die Lerninhalte in diesen ersten Jahren sind teilweise
komplexer und technisch aufwendiger, als das was danach kommt. Wir lernen zu
gehen, Zusammenhänge wie „Aktion und Reaktion“, die Sprache und Zeichen der
Kommunikation, wir lernen Physik -Statik, Schwerkraft, Balance, heiß und kalt -
und vieles mehr. Manchmal etwas schneller, manchmal etwas langsamer. Was davon
ist selbst- und was fremdbestimmt? Je mehr unser Lernen angeleitet und
begleitet wird, desto mehr Probleme entstehen – so scheint es. Während die
Schulzeit von Pädagogen, Methodik und Didaktik bestimmt wird, ist im
Berufsleben das eigene Engagement gefragt. Beides Extreme die eines nicht
berücksichtigen, die Art und Weise wie unser Gehirn funktioniert. Die Methode
des Lernens die uns als Baby Hürden nehmen und eine Ausdauer an den Tag legen
lässt, wie wir es im späteren Leben kaum noch erfahren.
Babys lernen anders, allein schon deshalb, weil sie zu
Beginn gar nicht verstehen, was man ihnen sagt. Lesen können sie auch nicht und
das Lernziel zu vermitteln dürfte schwierig werden. Wie setzt ein Baby seine
Prioritäten, was bestimmt den Lehrplan?
„Papa“ und „Mamma“ sind Worte mit hoher Priorität. Ist erst
einmal ein Laut vernommen der vermuten lässt, dass die Stimmbänder bereit sind,
ist der Startschuss für unablässiges Fördern und Fordern gefallen. „Sag mal M A
M M A“, so die Aufforderung vor, während und nach dem Windelwechsel und zu allen
anderen Zeiten, derer man sich der Aufmerksamkeit des Kindes bewusst sein kann.
Andere Worte kommen plötzlich und unvermittelt, manche sollten besser gar nicht
gelernt werden und sind trotzdem Bestandteil der Unterhaltung. Eines ist klar,
ein Baby lernt durch Beobachtung, das Ertasten und Schmecken und nicht zuletzt
aus einer nicht enden wollenden Flut an Fehlern und Versuchen. Viele Dinge
werden einfach nachgemacht, weil unzählige Male beobachtet. Eines jedoch liegt voll und ganz in der
Entscheidung des Kindes, nämlich zu welchem Zeitpunkt was genau gelernt und
umgesetzt wird. Denn anders als wir Erwachsenen, prüft das Baby nach vollkommen
andern – von uns nicht immer beeinflussbaren Parametern, welches Wissen im
nützt und welches nicht. Erst später lernt es „Wissen“ bewusst nutzbringend
einzusetzen. Welche Bestandteile dieses Lernstils können im beruflichen Alltag
nützlich sein? Sollten wir als Erwachsener wieder etwas mehr „Begreifen“ und „Verstehen“?
Sind die Dinge um die es geht „ersichtlich“ und wie viel Bewegung ist im Spiel
wenn ich „Erfahrung“ sammel?
Als Erwachsener wissen wir, weil wir gelernt haben zu
unterscheiden, zwischen „nützlich“, „notwendig“ und „überflüssig“. Wir filtern
die Vielzahl der Informationen nach diesem Muster, mal bewusst und mal
automatisiert – oder eher beschleunigt, allerdings nie unbewusst. Wir speichern
Informationen besser, wenn wir diese häufig wiederholen, das haben wir gelernt.
Wir lesen konzentriert und hören aufmerksam zu, soweit wir dies selbst beurteilen
können. Doch gerade diese Aufmerksamkeit möchte hier und da nicht so, wie wir
uns das vorstellen. Ein Geräusch, eine Bewegung und der Blick ist abgelenkt,
das Gehör gibt die Richtung an. Manchmal sind die gespeicherten Informationen unvollständig
oder ganz und gar nicht abrufbar und leider allzu häufig dann, wenn sie von
einer anderen Person abgefragt werden – womöglich unvermittelt. Dabei haben wir
doch so gut aufgepasst und gerade eben war es noch da, das ganze Wissen. Recht
schnell trennen wir uns von dem Wissen, dass subjektiv nicht benötigt wird. Privat
funktioniert das anders, als im Berufsleben. Komplizierte Spielregeln, Texte
der aktuellen Pop-Top-10, Geburtstage, besondere Ereignisse – ja sogar ganze
Stadtpläne des beliebtesten Urlaubsortes bleiben im Gedächtnis. Ganz ohne
Belohnung und Bestrafung, Stundenplan und Pädagogik - oder sollte man besser
sagen ohne Pädagogen? Verblüffend dabei – zu den meisten Fakten haben wir
Bilder, ja sogar ganze Videos im Gedächtnis! Und scheinbar erfolgt dieses
Lernen ohne nennenswerten Frustrationsfaktor. Kluge Köpfe könnten nun anführen,
dass Motivation schon immer wichtig war für gutes Lernen. Dem stimmen wir bedingt
zu, wenn damit die intrinsische Motivation gemeint ist, aber die Frage die sich
dann stellt ist folgende: Können wir uns selbst motivieren, aufmerksamer zu
sein und wenn ja wie? Warum lassen wir uns manchmal ablenken und welche Rolle
spielen Bilder beim Lernen?
Teil 2 – folgt! Das Thema: Dinge ersichtlich machen – Wie Vorbilder
für Erfolg oder Misserfolg sorgen
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